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[Märchen][edfc][Eigene Bücher und eBooks]

Zunächst der

Kupferfuss

dann ein

weiteres Märchen

und danach

Zwei - märchenhafte - Vorzeitgeschichten

 

Kupferfuß

 

 

Textprobe:

Vor langer Zeit lebte in einem Dorf am Rande eines großen Waldes ein Junge, der Kupferfuß genannt wurde. Sein Vater war der Dorfschmied; und seinen Namen hatte er erhalten, als es ihm einmal zu oft auf die Nerven gegangen war, wie schnell seine Stoffschuhe immer wieder Löcher bekamen. Da war ihm der Gedanke gekommen, sich doch Schuhe aus diesem härteren Kupferblech zu formen. Denn dieses Blech konnte man so gut biegen, und in der Schmiede seines Vaters waren immer wieder Abfälle davon vorhanden.

Nun war dieser Junge herangewachsen und hatte schon viel vom Schmiedehandwerk  seines Vaters gelernt.  Auch an diesem Tag, an dem die Sonne schien und gleichzeitig ein kühler Wind wehte, ging er in Kupferschuhen auf der Dorfstraße entlang, um Wasser vom Brunnen zu holen, sah dabei sehnsüchtig in die Ferne, und wäre gerne einmal weit weg gewandert – als ein unbekannter Reiter daherkam. Zunächst ritt der Reiter an dem Jungen vorbei, doch dann hielt er sein Pferd an und drehte sich um.

„He, du“, sprach er zu dem Jungen. „Was hast du denn da für seltsame Schuhe an?“

„Die habe ich mir aus Kupfer gefertigt!“, erwiderte Kupferfuß, und der Reiter fragte weiter:

„Bist du dann vielleicht der Richtige, um für die Prinzessin Beerenlöckchen ein Geschenk zu besorgen, das sie – eine ihrer neuen Launen – sich von ihrem Gatten wünscht: Es soll sie nämlich der zur Frau nehmen, der ihr einen Schuh besorgt, auf dem die Stimmen von Vögeln eingeritzt sind. Diese Stimmen sollen immer ertönen, wenn sie über den Schuh streicht – und Kupfer könnte sich dafür eigentlich gut eignen …“

„Aber wie sollen denn Vogelstimmen auf einen Schuh kommen?“, fragte Kupferfuß, worauf der Reiter antwortete:

„Du hast davon wahrscheinlich noch nie etwas gehört; aber an unserem Hof lebt ein Mönch, der von einer Reise nach Italien Blätter mit Linien und Punkten mitgebracht hat, und diese Linien und Punkte sollen einem beim Singen helfen!“

„Singen kann ich auch so!“, meinte Kupferfuß, doch der Reiter schüttelte den Kopf und entgegnete:

„Die Linien und Punkte sollen einem aber genau sagen können, wie hoch und wie schnell man singen soll – na ja; kennst du denn die Kunde von dem Gesangbuch der Vögel?“

„Ja“, erwiderte Kupferfuß. Das soll irgendwo auf einem Felsen hoch oben im Wald liegen – aber niemand geht dorthin. Dort hausen die Geisterkönigin und der Geisterkönig!“

„Irgendwann soll es aber ein Ritter geschafft haben – und wenn du die Prinzessin gerne zur Frau haben und später einmal König werden möchtest, solltest du es probieren – ein Tipp: Begib dich zu dem Bach, der zwischen drei Felsen hindurch fließt!“

Dann trieb der Reiter sein Pferd an und galoppierte davon.

Als Kupferfuß seinen Eltern von diesem Gespräch erzählte, schüttelten beide Elternteile den Kopf, und seine Mutter meinte:

„Schlag dir das gleich wieder aus dem Kopf, so tief in den Wald gehe ich auch nicht zum Pilzesammeln; sonst würde ich nur auf böse Geister treffen!“

Und sein Vater sprach:

„Du gehst nicht, ich brauche dich morgen in der Schmiede!“

Kupferfuß hatte eigentlich schon viel Schlimmes über Geister gehört. Aber der Gedanke, vielleicht an den Hof ziehen und die Prinzessin haben zu können, ließ ihn nicht los. Und in der folgenden Nacht wartete er ab, bis seine Eltern tief schnarchten, und schlich sich aus der Hütte, nahm dazu eine Axt und ein großes Stück Kupfer mit.

...

 

 

Ein weiteres Märchen

als eBook erhältlich:

Die Achtelfee, die Sechzehntelfee und die Fee aus dem Tee

 

Textauszug:

Es ist noch gar nicht so viel Zeit verstrichen seit jenem stürmischen Abend, als Minster, der Erziehungsminister des Königs Gipfelbert, in einer Kutsche mit dem neu geborenen Kronprinzen unterwegs war. Der König hatte seinem Sohn schon einmal die Berge zeigen wollen. Dabei entdeckte der König einen so prächtigen Hirsch, dass er nicht widerstehen konnte, diesen zu jagen.

Dies konnte er an dem Tag nicht mehr schaffen – das Kind musste allerdings schnell zu seiner Mutter und seiner Amme zurück. So hatte der König den Minister allein mit dem Prinzen in einer Kutsche zurückgeschickt.

Ein kühler Wind kam auf und wurde immer heftiger, bis er  die Kutsche zum Schwanken brachte und diese schließlich auf dem morastigen Weg umkippte. Der Minister und der Kutscher konnten sich noch retten – das Kind jedoch rollte die Böschung hinab, und die beiden Männer konnten es nur noch tot bergen.

In seiner Verzweiflung vernahm Minster eine Frauenstimme, die aus einer Teekanne zu kommen schien, die beim Umfallen der Kutsche zerbrochen war und deren Inhalt nun eine Pfütze bildete. Der Minister rieb sich die Augen, und die Stimme sprach weiter:

„Warte hier – ich bin die Fee aus eurem Hagebuttentee und werde dir helfen!“

Die Fee nahm eine rötliche, neblige Gestalt an und schwebte zu einem Dorf, in dem gerade Zwillinge geboren worden waren, die dem toten Prinzen ziemlich ähnlich sahen. Als dort alle schliefen, nahm sie einen der Zwillinge mit sich und übergab ihn dem Minister. Das Tuch, in das er gewickelt war, nahm sie wieder mit sich und flog an einem Wolf vorbei, der gerade genüsslich speiste und dessen Maul daher blutig war. Sie rieb das Tuch an diesem Blut und flog mit damit in das Dorf zurück.

 

Ein Jagdausflug mit dem Prinzen     

Zehn Jahre später standen die Bewohner dieses Dorfes unter einem blauen Himmel an der Straße, als der König das schöne Wetter für einen Jagdausflug in die Berge nutzen wollte, gemeinsam mit seinem Sohn, Prinz Bergrich. Hierzu hatte er Strudelhard, den König des Nachbarkönigreiches, eingeladen, welches nicht mehr am Fuße der Berge lag, sondern schon im Flachland, an einem großen Fluss. Dieser König hatte unter anderem seine Tochter, Prinzessin Flusswelda, mitgebracht, die genauso wie Prinz Bergrich zehn Jahre alt war.

Ebenfallsin diesem Alter befand sich Wolfschreck, ein Junge aus dem Dorf. Ursprünglich hatte dieser Junge einen Zwillingsbruder gehabt, welcher damals von einem Wolf gefressen wurde – vor diesem Jungen jedoch war der Wolf offenbar zurückgeschreckt.Den beiden Königen gefiel die Aussicht in diesem Dorf so gut, dass sie hier nach der Jagd eine längere Rast halten wollten. Während die beiden sich gegenüber den Dorfbewohnern großzügig zeigten und mit ihnen einen Teil ihrer Jagdbeute teilten, zogen sich die Kinder bald zum Spielen zurück, auch Prinzessin Flusswelda und Prinz Bergrich. Dabei ließen sie gerne die strengen Benimmregeln außer Acht, die sonst an ihren Höfen herrschten, und luden auch den gleichaltrigen Wolfschreck zum Versteckspiel ein, der dem Prinzen erstaunlich ähnlich sah.

Die beiden Jungs entdeckten am Ende zufällig gleichzeitig die Prinzessin in ihrem Versteck unter einer Wurzel, und beide durften sie küssen – doch da kamen schon die beiden Könige hinzu, die zum Essen auch reichlich Bier getrunken hatten. Ein Lächeln konnten sie sich nicht verkneifen, gaben sich dann aber ernst; und König Gipfelbert meinte:

„Wir haben uns schon darauf geeinigt, dass Prinz Bergrich  Prinzessin Flusswelda einmal zur Frau nehmen soll! Aber wenn sich herausstellen sollte, dass Bergrich in Wahrheit gar nicht mein Sohn ist – dann sollst du Bauernjunge sie heiraten und eines Tages über unsere beiden Königreiche herrschen!“

Da meinte König Strudelhard lachend: „Einverstanden, die Wette gilt!“

 

Der Weg auf den Berg

Es vergingen weitere zehn Jahre, in denen es den beiden Königreichen zunächst gut ging – dann aber folgten ein milder Winter, in dem nur wenige Schädlinge starben, und ein trockenes Frühjahr. Die Ernte drohte mager zu werden; außerdem starb massenweise Vieh, das aus dem Fluss getrunken hatte, der durch beide Länder floss.

Da beriefen die Könige ihre Räte ein, und sie kamen überein:

„Ein Fluch muss über unseren Reichen liegen – vor allem über der Quelle des Flusses!“

„Man erzählt sich, Wölfe haben diese Quelle vergiftet!“

„Oder auch Ratten oder ein Erdrutsch – wie auch immer, es muss jemand dort hinauf!“

Dabei richteten sich aller Augen auf Prinz Bergrich, der nachdenklich zu Boden sah. Seine schulterlangen, braunen Haare fielen dabei vornüber, genau wie bei Prinzessin Flusswelda, deren Haare blond geblieben waren.

...

 

Zwei Vorzeitgeschichten in einem Band

Hier erhältlich

Topfzertreter das erste Reitpferd

    Etwa vier- bis fünftausend Jahre vor unserer Zeit lebten in Europa die Pferde noch ausschließlich in freier Wildbahn.

    Auch in der Umgebung von Sevisi, einem Dorf an einem See, inmitten von weiten Wiesen, graste eine Herde solcher Wildpferde. Ein leichter, kühler Wind wehte über die Wiese und milderte die Sommersonne ein wenig ab.

    An einer Eiche lehnten die etwa fünfzehnjährige Hediga und der gleichaltrige Manwer aus einem Nachbardorf. 

    Sie trug ihre schwarzen Haare in zwei Zöpfen; er hatte seine langen, blonden Haare ähnlich geflochten. Diese Haare hingen über ihre langen, braunen Gewänder.

    Er fragte sie:

    „Bist du immer noch zuversichtlich, dass euer Häuptling unserer Heirat zustimmen wird?“

    Sie erwiderte:

    „Lass mich nur, mir ist dazu etwas eingefallen. – Sieh einmal, das Pferd dort hinten!“

    Dabei zeigte sie auf einen bräunlichen Hengst, mit schwarzer Mähne. Dieser galoppierte in ihrer Nähe umher, hatte sich von seiner Herde abgesondert. Und jetzt sprang er über einen umgestürzten Baumstamm und trat dabei ein paar Zweige platt.

    „Auf dem müsste man doch weit genug springen können!“

    „Was hast du vor?“, fragte Manwer hastig, worauf Hediga ihn bat:

    „Gib mir bitte deine Axt!“

    Er zuckte mit den Schultern und sah sie mit einem Stirnrunzeln an. Sie hielt hartnäckig ihre Hand offen; und da händigte er ihr seine Steinaxt aus, die er an einem ledernen Gürtel trug.

    Daraufhin rannte sie zu dem Pferd und schwang sich auf dessen Rücken.

    So etwas hatte Manwer noch nie gesehen, sicherlich ebenso wenig irgendjemand sonst aus seinem oder ihrem Dorf!

     

    Aber sie war die Tochter einer Heilkundigen und eines Händlers, hatte schon verschiedene Male heimlich mit Tieren gesprochen.

    Das Pferd zeigte sich dann auch nur einen kurzen Moment irritiert, denn schon gleich legte Hediga ihm die Hand zwischen die Ohren und flüsterte ihm etwas zu.

    Daraufhin setzte es sich in Bewegung, in Richtung des Sees.

    Sie aber blieb nicht lange auf seinem Rücken, sondern schwang sich bald schon wieder herunter und gab Manwer seine Axt zurück, ohne sie benutzt zu haben.  Stattdessen sagte sie:

    „Ich werde dies noch öfter probieren!“

     

Die Gans Gallada und der Fuchs Fuchteleis

    Das Volk der Frumannen hielt bereits Hunde, Schafe und Ziegen als Haustiere, aber noch keine Gänse.

    In diesem Jahr kam der Winter früh, mehr als einen Monat vor der Wintersonnenwende.

    An vielen Büschen wuchsen noch Beeren, und nun auch kleine Eiszapfen. Da suchten die Kinder nach dem Fuchs Fuchteleis, der gerne mit dem Schwanz auf die Eiszapfen schlug und dabei immer wieder Beeren mitnahm, die zusammen mit den Eiszapfen ein wohl schmeckendes Eis bescherten.

    Unter diesen Kindern befanden sich auch die fünfzehnjährige Sigsee, Tochter des Häuptlings Himulu, sowie der sechzehnjährige Widur, Sohn des Schäfers Mähu. Sigsee hatte ihr blondes Haar zu drei Zöpfen geflochten, während Widurs braunes, schulterlanges Haar an diesem Tag schon ziemlich verfilzt aussah. Sie hatte einen Pelzmantel angezogen, er trug ein einfaches Schafsfell. Aber beide hatten sich zu der Aufgabe bereit erklärt, auf die Kinder im Wald aufzupassen.

    Bald mussten sie jedoch eine Entdeckung ganz anderer Art machen:

    Ein Bär sowie ein großes Wolfsrudel hatten mehrere ihrer Schafe und Ziegen auf der Wiese erlegt; auch den Hund von Widurs Vater, bevor dieser Alarm schlagen konnte! Die Raubtiere hatten sich offensichtlich genau gegen den Wind angeschlichen, der an diesem Tag stark aus Norden blies.

    Da mussten sie schnell handeln und mit Fackeln auf die Raubtiere losgehen.

    Also eilte Sigsee ins Dorf, traf dort aber zuerst auf die grauhaarige Karautia, die sich ihr in den Weg stellte und sagte:

    „Mädchen, lass mich bitte erst einmal mit meiner Bronzescheibe mitkommen – ich möchte dir etwas zeigen!“

    „Lauft alle mit Fackeln zur Weide!“, rief Sigsee jedoch den Leuten im Dorf zu, bevor sie sich der alten Karautia zuwandte:

    „Du kannst mitkommen; aber wir haben es eilig!“

    Karautia holte ihre Bronzescheibe hervor, die mit ein paar goldenen Sternen und einer Mondsichel verziert war, aber an einer Seite auch eine Wölbung aufwies, die an einen Fuchsschwanz erinnerte. Wenn man mit den Ringfingern auf bestimmte Stellen der Bronzescheibe drückte, konnte man die Sprachen der Tiere verstehen. Eine Technik, die aber nur Karautia wirklich beherrschte.

     

    Etwas später als die anderen kam die alte Frau auf der Weide an, auf der die toten Schafe und Ziegen lagen; die Wölfe und den Bären hatten die anderen aus dem Dorf schon vertrieben.

    Der Fuchs Fuchteleis lag im Gebüsch und beobachtete die Szene. Vor Karautias Blick konnte er sich allerdings nicht verbergen; die Alte sah alles, ging auf ihn zu und sagte:

    „Die Fuchsschwanz-Wölbung auf meiner Bronzescheibe ist heiß geworden. Daher wusste ich, dass du uns etwas mitteilen möchtest!“

    „Ja, möchte ich auch!“, erwiderte der Fuchs. „Und zwar kann ich euch ein Versteck nennen, in dem sich ein paar Gänse aufhalten, die den Flug ihrer Gefährten in den Süden verpasst haben!“

    Karautia winkte den anderen zu, und diese kamen herbei, weil sie wussten, dass auf diese Frau immer Verlass war, wenn sie eine solche Geste machte.

    „Wirklich?“, fragte Karautia den Fuchs. „Die könnten wir ja wirklich jagen – also, wo genau sind sie?“

    „Nicht jagen!“, antwortete der Fuchs. „Ihr sollt sie züchten, so dass sie sich in eurem Dorf vermehren!“

    ...

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